Tokio hat ein neues Gesprächsthema: die tanzenden Vampire im Imperial-Theater, genau gegenüber dem kaiserlichen Palast, verblüffen, provozieren, begeistern.
Regisseur Kasuya Yamada ist auf's Ganze gegangen mit seiner Inszenierung des Musicals von Michael Kunze und Jim Steinman. In atemberaubenden Tänzen wirbelt eine junge Cast über die Bühne, die jedes Musicvideo zum Hit machen würde. Ein bezaubernd tollpatschiger Alfred verliebt sich in einen rebellischen, naiv-hemmungslosen Teenager mit Mandelaugen, die das Eis Transylvaniens zur Schmelze bringen. Als Professor Abronsius reißt ein Komiker, der den Vergleich mit Charlie Chaplin nicht zu scheuen braucht, das sonst so reservierte japanische Publikum zu Lachstürmen hin. Eine bildhübsche Magda mit Sex in jeder Bewegung verwirrt nicht nur den schlaukomischen Wirt Chagal, und wenn der schönste Herbert, den es je gab, seinen Pas de Deux tanzt, springen die Zuschauer von ihren Sitzen. Trotzdem wird alles das noch getoppt durch Japans Musical-Superstar Yamaguchi, der einen Graf Krolock spielt, der in Stimme und Darstellung Erotik, Melancholie und Ironie in einmaliger Weise vereint und seinesgleichen sucht.
Das Publikum in der Premierenvorstellung vom 2. Juli rang zuerst nach Atem, doch als die ersten Lachstürme durchs Theater rauschten, war der Bann gebrochen. Standing Ovations am Schluss, die nicht enden wollten! Auch nachdem der letzte Vorhang gefallen war und das Saallicht anging, blieben die begeisterten Zuschauer rhythmisch klatschend zwischen den Stuhlreihen stehen.
So eine Premiere hat Tokio noch nie erlebt. Nach ELISABETH und MOZART! hat damit auch das dritte Musical von Michael Kunze Japan erobert.
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