In den Stunden der Verzweiflung
Wenn in mir die Hoffnung sinkt
Wenn das ausgesäte Samenkorn
Im Strom des Leids ertrinkt
Hör ich in mir eine Stimme
Die mich weitertreibt
Und die mir wieder Kraft gibt
In der Zeit der Dunkelheit
Sie sagt mir, schau nicht rückwärts
Und vertrau nur ganz auf ihn
Auch wenn du vieles nicht verstehst
Es hat alles seinen Sinn
Denn dich führt durch Nacht und Nebel
Eine unsichtbare Hand
Sie bewegt das Laub der Bäume
Und kennt jedes Körnchen Sand
Ja, die Blumen der Versuchung
Und das Unkraut dieser Welt
Sich wuchern an den Wegen
Und verderben manches Feld
Ich aß die Frucht des Bösen, und
Ich trank den Wein voll Gift
Ich fuhr auf dem Meer der Eitelkeiten
Wie ein ruderloses Schiff
Ich spürte auch die Kälte
Wenn der Hass wie Eis um mich lag
Und ich ging durch das Feuer
Einer Liebe, die mir nichts gab
Doch ich bin nicht erfroren
Und ich bin nicht verbrannt
Weil jedes Haar gezählt ist
Wie jedes Körnchen Sand |
In Lumpen und in Seide
Tief im Traum und völlig wach
In der Hitze eine Julitages
Und im Schnee einer Januarnacht
In dem stummen Tanz der Einsamkeit
Von dem mir schwindlig wird
Im zerbrochnen Spiegel einer Welt
In der die Unschuld stirbt
Erkenne ich, wie schwach ich bin
Und wie wenig ich versteh
Und dass ich von der Wirklichkeit
Nichts als ein paar Schatten seh
Ich häng an dünnen Fäden
Von der unsichtbaren Hand
So wie im Wind die Schwalbe
Und wie jedes Körnchen Sand
© Michael Kunze 1981
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