Und nach dem Abendessen sagte er:
„Lass mich noch eben
Zigaretten holen gehen“
Sie rief ihm nach:
„Nimm dir die Schlüssel mit
Ich werd’ inzwischen nach der
Kleinen sehn“
Er zog die Tür zu, ging stumm hinaus
Ins neonhelle Treppenhaus
Es roch nach Bohnerwachs und
Spießigkeit
Und auf der Treppe dachte er:
Wie, wenn das jetzt ein Aufbruch wär?
Ich müsste einfach gehen für alle Zeit
Ich war noch niemals in New York
Ich war noch niemals auf Hawaii
Ging nie durch San Francisco in
zerriss’ nen Jeans
Ich war noch niemals in New York
Ich war noch niemals richtig frei
Einmal verrückt zu sein und aus allen Zwängen fliehn
Und als er draußen auf der Straße stand
Fiel ihm ein, dass er fast alles bei sich trug
Den Pass, die Euroschecks und etwas Geld
Vielleicht ging heute Abend noch ein Flug
Er könnt’ ein Taxi nehmen, dort am Eck
Oder Autostop und einfach weg
Die Sehnsucht in ihm wurde wieder wach
Noch einmal voll von Träumen sein
Sich aus der Enge hier befrein
Er dachte über seinen Aufbruch nach |
Ich war noch niemals in New York
Ich war noch niemals auf Hawaii
Ging nie durch San Francisco
in zerriss’ nen Jeans
Ich war noch niemals in New York
Ich war noch niemals richtig frei
Einmal verrückt zu sein und aus allen Zwängen fliehn
Dann steckte er die Zigaretten ein
Und ging wie selbstverständlich heim
Durch’s Treppenhaus mit Bohnerwachs
und Spießigkeit
Die Frau rief: „Mann, wo bleibst du bloß
Dalli-Dalli geht gleich los.“
Sie fragte: „War was?“ – „Nein
Was soll schon sein?“
Ich war noch niemals in New York
Ich war noch niemals auf Hawaii
Ging nie durch San Francisco
in zerriss’ nen Jeans
Ich war noch niemals in New York
Ich war noch niemals richtig frei
Einmal verrückt zu sein und aus allen Zwängen fliehn
© Michael Kunze 1982
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