Die DramaMusicals

Ich habe eine Frage zum neuen Finale von TdV. Graf von Krolock wollte sich nie als Monster sehen, welches Leuten Angst zubereitet, sondern es war eben wie eine Sucht, die unstillbare Gier. Darum ist es für mich unverständlich, warum Graf von Krolock am Schluss noch auf die Bühne kommt, vorher noch lacht und ein Lächeln hat. Wollte er nicht eigentlich, dass er nicht als Monster dargestellt wird und in Ruhe in seinem Schloss leben, oder stehe ich hier auf dem Schlauch? und noch eine kurze Frage zu Elisabeth "Hass": Elisabeth wurde vor der Zeit Hitlers ermordet, warum gibt es dann diese Szene? Soll sie symbolisieren, dass es sich hierbei noch um eine Minderheit handelt, die langsam an die Macht kommt? Und warum machen sie schon die Begrüssungsform mit "Heil"? Gab es das schon damals? Ist diese Szene nicht auch ein bisschen provokant?

Krolock ist nicht, was er vorgibt zu sein. Er liebt es, die Menschen in die Irre zu führen, auch die Zuschauer. Sein Lied "Die Unstillbare Gier" ist eine Mischung aus Selbstmitleid und Täuschung. Er ist in erster Linie Vampir - und daher freut er sich, dass am Schluss die Vampire die Welt übernehmen.

Wichtiger ist der zweite Teil Deiner Frage.

Das Musical ELISABETH erzählt vom Untergang des Habsburger Reiches. Es stellt dabei die Mächte dar, die den Zerfall der österreichischen Monarchie herbeiführten: den sozialen Aufruhr (Szene “Milch”), die Erstarkung der divergierenden nationalen Unabhängigkeitsbestrebungen (Ungarnszene) und die Vorläufer des Nationalsozialismus (“Hass”-Szene).

Auch wenn es kaum bekannt ist: die Ursprünge der nationalsozialistische Bewegung liegen im Wien der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts. Die Anhänger des Demagogen Georg Ritter von Schönerer, die sog. “Alldeutschen”, prägten die Parolen “Ein Volk, ein Reich, ein Führer” und die Farben und Symbole Schwarz-Weiß-Rot und Hakenkreuz bzw. Runen. Sie vertraten das sog. “Führerprinzip”, betrieben den “Anschluss” Österreichs an Preußen und bekämpften als militante Antisemiten und Rassisten “das Judentum”. Dem österreichischen Kaiser, dem Erzherzog Rudolf und insbesondere der verhassten Kaiserin Elisabeth warfen sie vor, “Judenknechte” zu sein.

In ihrem Buch “Hitlers Wien” (Piper Verlag München 1996) hat die Historikerin Brigitte Hamann detailliert nachgewiesen, dass Hitler seine Parolen, Symbole und Rassentheorien fast 1:1 von Schönerer und dem von ihm beeinflussten Karl Lueger (Wiener Bürgermeister vor der Jahrhundertwende) übernommen hat. 

Der "Hitler-Gruß" stammt - wie Hitler selbst - aus dem Österreich des 19. Jahrhunderts, also aus der Zeit, in dem unser Musicals spielt. Überhaupt ist jedes Wort und jedes Symbol, das wir in der “Hass”-Szene verwenden, historisch. Das Aufkommen des Gedankenguts, das zu den Verbrechen des Nationalsozialismus führte, gehört zum Hintergrund unserer Geschichte. 

Letzte Änderung der FAQ: 2012-02-03 21:31
Autor: Dr. Michael Kunze
Revision: 1.0

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