Persönliches

Ich bin 16 Jahre alt und bin letztes Jahr zufällig auf ihr Musical Elisabeth gestoßen. Seitdem liebe ich Musicals. Allerdings finde ich die Preise, die für Musicalbesuche aufgebracht werden müssen ziemlich hoch. Man betrachte zum Beispiel REBECCA in Stuttgart. Knapp 90€ für eine Samstagsabendes - Vorstellung in der billigsten Preiskategorie. Finden Sie das nicht ein wenig überteuert? Also ich mein, das kann sich ein Normalsterblicher ja kaum leisten (und meine Eltern sind auch nicht bereit 3 Stunden nach Stuttgart zu fahren und das Geld zu bezahlen nur damit ich einmal Pia Douwes live sehen und hören kann). Könnte man die Preise nicht ein wenig bezahlbarer machen?

Deine Frage, liebe Lilly, gibt mir Gelegenheit, an dieser Stelle einmal das nicht nur von Dir angesprochene Problem der Eintrittspreise zu erörtern. Musical ist eine Form des Musiktheaters - wie auch die Oper - und Musiktheater ist die aufwändigste Art von Theater. Ein Musical auf die Bühne zu bringen, kostet heute mindestens so viel wie die Produktion eines Spielfilms. Ein Spielfilm kann nicht nur in Hunderten von Kinos gezeigt werden, sondern erhält auch öffentliche Gelder und Zuschüsse. Außerdem sind die Kosten bezahlt, wenn der Film fertig ist. Ein Musical erfordert jedoch jeden Abend neue Investitionen - die Kosten für Theatermiete, Darsteller, Bühnenarbeiter, Technik und ein Live Orchester verschlingen einen Großteil der Einnahmen, so dass oft nichts mehr übrig bleibt, um die eigentlichen Produktionskosten nach und nach abzudecken. Wenn dann noch zu wenige Zuschauer kommen, ist der Ruin nahe. Kein Wunder, dass immer wieder Musicalpleiten vorkommen. Während andere Formen des Musiktheaters wie Oper und Operette an Staats- und Stadttheatern von öffentlichen Geldern finanziert werden, müssen die Produzenten von Musicals diese Gelder selbst aufbringen. Sie überlegen vorab, wie lange ein Stück erfolgreich laufen muss, um die Investition zu rechtfertigen. In der Regel darf das nicht länger als ein Jahr dauern. Nach dieser Rechnung kalkuliert man die Ticketpreise. Du solltest bedenken, dass eine Opernkarte heute zwar auch durchschnittlich 100 Euro kostet, in Wahrheit jedoch viel, viel mehr, nämlich zwischen 350 und 750 Euro. Die Differenz zahlt hier der Steuerzahler dazu. Gäbe es für das Musical eine entsprechende Subvention, würde ein Ticket nicht mehr als 25-45 Euro kosten. Als Autor erhalte ich übrigens nicht viel von Deinem Eintrittspreis - von den 100 Euro je nach Werk zwischen 60 Cent und 2,50 Euro. Trotzdem plädiere ich immer für niedrigere Ticketpreise, wenigstens in gewisser, begrenzter Zahl. Leider scheitere ich mit diesem Wunsch an der harten Realitäten der Finanzierung.

Letzte Änderung der FAQ: 2011-07-30 16:47
Autor: Dr. Michael Kunze
Revision: 1.0

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Kommentar von QXZeKTmVxewub:
SyWSNY iqxlhifpijhj
Added at: 2011-08-15 16:09

Kommentar von Lilly:
Vielen Dank für die ausführliche Erklärung! Ich kann das alles jetzt schon viel besser nachvollziehen. Ich finde es auch super, dass Sie für niedrigere Preise plädieren. Man kann einfach nichts daran ändern... Dann heißt es halt ein halbes Jahr Taschengeld sparen, denn bei REBECCA lohnt sich meiner Meinung nach eine solche Investition. Vielen Dank nochmal!
Lilly
Added at: 2011-07-31 18:41

Kommentar von oXjjCwhKZwUEpIG:
Cheers pal. I do aprpeicate the writing.
Added at: 2011-08-12 09:07

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